Dr. Peter Holzwarth

„Was machen Menschen mit mobilen Geräten, was machen mobile Geräte mit Menschen?“ – Smartphones als Herausforderung für Gesellschaft und Schule

Dr. Peter Holzwarth

„Was machen Menschen mit mobilen Geräten, was machen mobile Geräte mit Menschen?“ – Smartphones als Herausforderung für Gesellschaft und Schule

Zur Person

Dr. Peter Holzwarth ist Dozent für Medienbildung an der PH Zürich und Lehrbeauftragter der PH Ludwigsburg im Bereich Mediensozialisation und aktive Medienarbeit

Forschungsschwerpunkt: Migration und Medien.

 

„Was machen Menschen mit mobilen Geräten, was machen mobile Geräte mit Menschen?“ – Smartphones als Herausforderung für Gesellschaft und Schule

 

Smartphones haben sich in den letzten Jahren immer stärker verbreitet. In unterschiedlichen Kontexten der Gesellschaft wird über Chancen und Risiken der Smartphone-Nutzung diskutiert. Verschiedene Autorinnen und Autoren nehmen in dieser Debatte Stellung. Aktuelle drastisch formulierte Buchtitel wie „Cyberkrank“ (Spitzer 2015) „Onlinesucht“ (Willemse 2015) oder „Digitaler Burnout“ (Markowetz 2015) fordern kritische Menschen heraus, ihre eigene Position zu entwickeln. Immer mehr wird der Umgang mit mobilen Geräten auch zu einem Thema für die Schule – sowohl in einem medienerzieherischen Sinn (Reflexion des eigenen Medienumgangs) als auch in einem mediendidaktischen Sinn (Einsatz mobiler Geräte für schulisches Lernen).

Eine grundlegende Auseinandersetzung mit Theorien der Medienwirkung und Konzepten der Mediennutzung spielt eine wichtige Rolle. Dabei kommen immer wieder beide Fragen zum Tragen: „Was machen Menschen mit mobilen Geräten, was machen mobile Geräte mit Menschen?“

Folgende Themen sind nach meiner Meinung von Bedeutung:

  • Reflexion von Unterrichtsszenarien zur Entwicklung von Handlungs- und Reflexionskompetenz im Umgang mit mobilen Geräten
  • Reflexion von konkreten Nutzungs-, Personalisierungs- und Dosierungsstrategien (z.B. Stummschalten, bewusste handylose Zeitphasen (vgl. Galli 2017))
  • Bedeutung der Smartphones für die aktive Medienarbeit
  • Bedeutung der hirnphysiologischen Forschung für die Erklärung von Mediennutzung (Belohnungsmechanismen auf neuronaler Ebene; vgl. Markowetz 2015)
  • Veränderung von Verhaltensweisen in Bezug auf Warten und Pausen durch mobile Geräte (vgl. Turkle 2011)
  • Reflexion von Normen und Werten in Bezug auf höfliches Sozialverhalten im Zusammenhang mit mobilen Geräten
  • Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Problemanalysen und Lösungsansätzen (z.B. Spitzer 2015, Markowetz 2015, Neuss 2012, Wampfler 2014, Turkle 2011)
  • Ist der medienkritische Diskurs um Smartphones quasi eine Wiederholung der vergangenen Diskussionen wie z.B. um die Gefahren des Lesens oder die Risiken des Fernsehens? Oder handelt es sich um ein neues eigenständiges Veränderungsphänomen, das einer eigenständigen Kritik bedarf?

Die Medienbildung sollte eine kritisch-reflexive und gesellschaftlich relevante Position einnehmen, um eine positive Entwicklung der Handynutzung im Sinne von mehr Menschlichkeit und einer Erweiterung von Handlungsspielräumen zu befördern und mitzugestalten.

 

Literatur

Galli, Priscilla: Eine Woche ohne Smartphone – ein Selbstexperiment. https://blog.phzh.ch/guckloch/2017/02/10/eine-woche-ohne-smartphone-ein-selbstexperiment/ Pädagogische Hochschule Zürich 2017

Markowetz, Alexander: Digitaler Burnout. Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist. München: Droemer Knaur 2015

Neuss, Norbert: Kinder & Medien. Was Erwachsene wissen sollten. Velber: Klett 2012

Spitzer, Manfred: Cyberkrank! Wie das digitale Leben unsere Gesundheit ruinier. München Droemer Kaur 2015

Turkle, Sherry: Alone together. New York: Basic Books 2011

Wampfler, Philippe: Generation Social Media. Wie digitale Kommunikation Leben, Beziehungen und Lernen von Jugendlichen verändert. Göttingen: Vandelhoeck & Ruprecht 2014

Willemse, Isabel: Onlinesucht: Ein Ratgeber für Eltern, Betroffene und ihr Umfeld. Göttingen: Hogrefe, 2015

 

Ihre Meinung: