Ann-Kathrin Stoltenhoff, M.A.

Medienkritik im Kontext der Digitalisierung

Ann-Kathrin Stoltenhoff, M.A.

Medienkritik im Kontext der Digitalisierung
stoltenhoff@dhbw.de

Zur Person

Referentin für Gleichstellungsfragen, Duale Hochschule Baden-Württemberg; Doktorandin der Erziehungswissenschaft, Eberhard Karls Universität Tübingen

Arbeitsschwerpunkte: Medienbildung, Gender/Media Studies, Diskursforschung, Educational Governance, Gleichstellung

Medienkritik im Kontext der Digitalisierung

Die Anfänge der Digitalisierung waren begleitet von gesellschaftlichen Utopien, denen viele Akteure aus Wissenschaft, Medien und Politik inzwischen – angesichts von hate speech, extremistischen Positionen, Datenschutzskandalen und einer zunehmenden Kommerzialisierung des Netzes (Krempl 1997; Dorer 2006; Zittrain 2008) – kritisch gegenüber stehen. Der Cyberfeminismus ist eine jener utopischen Bewegungen, die die Anfänge des Internets begleitet haben und deren Ziel es war, aufzuzeigen, dass die Gestalt des u.a. technologisch formierten Digitalen einen immensen Einfluss darauf hat, wie Menschen kommunizieren, lernen, leben und arbeiten. Und diese Gestalt, die Form und Struktur digitaler Medien und Technologien, ergibt sich nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis komplexer Konstruktions- und Designprozesse – im technischen, gestalterisch-visuellen und im epistemologischen Sinne. Die verschiedenen Ebenen und Aspekte des Digitalen können als neue gesellschaftliche Räume beschrieben werden, die als solche auch Machtstrukturen beherbergen – das Netz ist kein unbeschriebener Ort (siehe dazu z.B. Peter 2001). Vielmehr duplizieren sich etablierte soziale, diskursive und ökonomische Logiken der analogen Welt in der digitalen.

Anlässlich der BMBF-Initiativen Perspektive MINT und Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft, deren Ziel die Sicherung des Technologie- und Wissenschaftsstandorts Deutschland durch Förderung und Stärkung der digitalen und MINT-orientierten Kompetenzen ist, möchte ich eine gendersensible Perspektive auf die Gestaltung und Nutzung dieser nicht mehr ganz so neuen, medialen Räume vorschlagen und Wege diskutieren, mittels derer stereotype Logiken in Prozessen der Medienrezeption- und produktion aufgebrochen und umgeschrieben werden können. Verschiedene Wege dies mit informationstechnischen, medialen, künstlerischen, wissenschaftlichen, pädagogischen oder politischen Mitteln zu tun, haben VertreterInnen des Cyberfeminismus bereits vor der Wende zum 21. Jahrhundert erprobt. Die Frage ist, inwieweit eine kritische Auseinandersetzung mit und bewusste Gestaltung von Medien heute von Praktiken und Ansätzen des Cyberfeminismus profitieren kann.

 

Literatur:

Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF (2012). Perspektive MINT. Wegweiser für MINT-Förderung und Karrieren in Mathematik, Informatik, Naturwissen-schaften und Technik. Zugriff am 01.01.2017 unter www.bmbf.de/pub/perspektive_mint.pdf.

BMBF (10/2016). Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft. Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zugriff am 01.01.2017 unter www.bmbf.de/pub/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf.

Peter, Ulrike (2001). Bildungsaspekte im Cyberfeminismus. Zugriff am 01.01.2017 unter http://fiff.informatik.uni-bremen.de/2001/html/AG10-peter.pdf.

Stoltenhoff, Ann-Kathrin & Raudonat, Kerstin (2016). Medienpädagogik im Spannungsfeld der (Re)Produktion heteronormativer Machtstrukturen und emanzipatorischer Bildungsideale – Eine poststrukturalistische Perspektive. [Macht, Souveränität, Herrschaft]. MEDIENIMPULSE, 4(2016).

 

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