Dokumentation

Abschiedsvorlesung

Material zur Abschiedsvorlesung

Die Abschiedsvorlesung von Horst Niesyto fand am Mittwoch, 12. Juli 2017 (am Vorabend des Symposiums) an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg statt.
Vortragsfolien
Audiomitschnitt
Horst Niesyto (2017): Medienkritik. In: Grundbegriffe Medienpädagogik (6. Auflage), hrsg. von Bernd Schorb, Anja Hartung und Christine Dallmann, Verlag kopaed, München, S. 266-272.

Symposium

Über das Symposium

Das Symposium wird von der Abteilung Medienpädagogik in Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum für Medienpädagogik und Medienforschung (IZMM) veranstaltet und von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) gefördert.

Das Symposium zum Thema „Medienkritik im digitalen Zeitalter“ fand im Rahmen der Verabschiedung von Prof. Dr. Horst Niesyto statt, der seine Arbeit an der PH Ludwigsburg zum Ende des Sommersemesters 2017 beenden wird und in Pension geht.


Begrüssung

Grußwort: Prof. Dr. Horst Niesyto [PDF]

Grußwort: Dr. Wolfgang Kreißig [MP3]

Pressemitteilung der LFK [PDF]

Impulsvortrag von Prof. Dr. Heinz Moser

Vortragsfolien
Audiomitschnitt

Materialien zu eingereichten Statements

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums waren eingeladen sich durch die Einreichung von Statements zum Thema Medienkritik an der Gestaltung des Symposiums zu beteiligen. Im Folgenden finden Sie die dazugehörigen Vortragsfolien und Audiomitschnitte.

Die Medienkritik, die wir meinen

Zum Statement
Audiomitschnitt

Valentin Dander

Smartphones als Herausforderung für Gesellschaft und Schule

Zum Statement

Dr. Peter Holzwarth

Medienkritik und Digitalität – Vom binären Denken in pluralen Gesellschaften

Zum Statement
Audiomitschnitt

Prof. Dr. Thomas Knaus

Kritik als Cultural Hacking. Zur Ermöglichung widerständiger Praktiken

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Audiomitschnitt

Prof. Dr. Petra Missomelius

Medienkritik im Kontext der Digitalisierung

Zum Statement
Audiomitschnitt

Ann-Kathrin Stoltenhoff, M.A.

Medienpädagogische Praxisbeispiele

Interessierte Einrichtungen und Projekte waren eingeladen, aktuelle Beispiele medienkritischer Aktivitäten vorzustellen, z.B. in Form eines Static Posters, auch als E-Poster oder anderer digitaler Präsentationsformen (z.B. Prezi). Die Beispiele sollten Praxiserfahrungen verdeutlichen, aber auch Entwicklungsbedarfe skizzieren.

Vortragsfolien

  • Digitales Lernen in der Grundschule: Von der Eigenproduktion zur Medienkritik [PDF]
  • Förderung von Medienkompetenz unter besonderer Berücksichtigung aktueller medialer Propaganda [PDF]
  • Hack den Horst: Datensammeln für Einsteiger [PDF]
  • Life-Profiler: Ein Gesellschaftsspiel über Big Data Analytics [PDF]
  • Medienpädagogik an der Waldorfschule: „Knackpunkt“ Elternarbeit [PDF]

Podiumsdiskussion

Die Fragen

In der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Symposiums ging es um die Frage, inwieweit es gelungen ist oder in Zukunft gelingen kann, eine Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen zu etablieren. Dazu haben Symposiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer vor Beginn der Diskussion auf einem padlet Fragen für die Podiumsgäste gesammelt, die deutlich machen, was sie in diesem Kontext bewegt:

Frage 1

@ Sven Kommer: Gibt es best practise Beispiele wie eine medienpädagogische Grundbildung in der Lehrerbildung realisiert werden kann? Konkret interessiert m ich dabei:
– wie wirken Fachdidaktik, Fachwissenschaft und Bildungswissenschaften in der 1. Phase zusammen (d.h. wie wird hier ein produktiver Austausch realisiert)
– was für phasenübergreifende Konzepte gibt es? (Zwischen 1. und 2, aber auch in Kombination mit der 3.Phase)
– Wie ist das Verhältnis zwischen Medienpädagogik und informatorischer Bildung?
– Gibt es Grundlagenmodule für alle und Vertiefungsmodule (Zusatzqualifikation, Profilstudium) für die Interessierten?
– Wie können generell Querschnittsthemen erfolgreich in der Lehrerbildung implementiert werden (fächerintegrativ, Wahlpflichtbereich, verfplichtende Fort- und Weiterbildung etc?)
– Wie ist das Verhältnis zwischen Forschungs- und Praxisbezug bzw. gibt es erprobte Ansätze, die beides gewinnbringend integrieren?

Frage 2

Arnolds-Granlund unterscheidet zwischen unterschiedlichen medienpädagogischen Konzepten auf der einen und deren praktischer Umsetzung (concepts in use) auf der anderen Seite. Ist medienpädagogische Grundbildung in diesem Sinne eher ein Konzept, ein Kompetenzkatalog oder eine Handlungsempfehlung für die pädagogische Praxis?Conceptual considerations in media education. Available from: https://wwwresearchgate.net/publication/272415479_Conceptual_considerations_in_media_education [accessed Jul 3, 2017].

Frage 3

Da die „Heterogenität der einzelnen Ansätze die interne Homogenität des Labels «Medienpädagogik›› übersteigt“, wie Ruge überzeugend dargelegt hat (4/2017), frage ich mich, wie es möglich sein soll, aus dieser Gemengelage Grundlagen zu extrahieren.

Frage 4

Es wäre auch interessant, sich mal mit dem Begriff Pädagogische Fachkraft zu befassen. Nach geltendem Landesrecht BW zählen Lehrkräfte weiterführender Schulen nämlich nicht und Grundschullehrkräfte nur eingeschränkt dazu.

Frage 5

Wenn schon in der Wissenschaft gute Konzepte fehlen, müssen wir uns nicht wundern, dass Medienbildung in der Schule oft krude Form en annimmt: Lehrkräfte füllen ihre Wissenslücken dann m it einem kruden Mix an populärwissenschaftlichen Thesen aus Neurologie, Psychologie oder IT-Wirtschaft, Vorurteilen und sehr wenig erziehungswissenschaftlichem Know-How. Da ist ein 3-D-Modell eines Moleküls, das man sich via Laptop oder Tablet anschaut, dann zugleich E-Leaning, digitale Bildung und Medienbildung. Zunächst müsste die Wissenschaft erst mal definieren, was was ist Darauf basierend könnte dann entschieden werden, was hiervorn für eine medienpäd. GB erforderlich wäre.

Frage 6

Die Keynote von Prof. Igel auf der Frühjahrstagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE war ein prägnantes Beispiel eines erstarkenden neoloiberalen Diskurses an der Schnittstelle von Medienpädagogik, (Schul-)Informatik, Bildungspolitik und IT-Wirtschaft. Von Medienkritik, die meines Erachtens immer auch eine Kritik gesellschaftlich etablierter/sich etablierender Praktiken (im Umgang mit Technik, technischen Medien) sein muss, war die Keynote weit entfernt. Stattdessen wurde Bildung auf den adäquaten Einsatz digitaler, „intelligenter“ Handbücher (in der beruflichen Bildung) verkürzt. Ist das die Zukunft der Medienpädagogik? Wo bleiben hier die Erkenntnisse der Erziehungswissenschaft? Und: Braucht es nicht jenseits einer Dagstuhl-Erklärung eine wissenschaftlich fundierte Verhältnisbestimmung von Bildung im Kontext neuer technischer Entwicklungen, die neben Logiken und Them en der Informatik auch die Erkenntnisse aus Techniksoziologie, kritischer Technologieforschung, Kultur- und Medienwissenschaft berücksichtigt?

Frage 7

Eine wie auch immer geartetete medienpädagogische Grundbildung kann nur implementiert werden, wenn vorher festgelegt wird, was die Ziele einer solchen sind und was unter Berücksichtigung pädagogischer und gesamtgesellschaftlicher Kontexte von welchen Akteuren (aus Wissenschaft, Medien-/IT-Wirtschaft, Politik) als grundlegend relevant erachtet wird. Welche Personen/-gruppen werden eigentlich im Rahmen der Debatte um eine mG als Expertinnen definiert, die bestimmen dürfen/sollen, was mG ist und warum sie so und nicht anders gefüllt und verankert werden sollte.

Die Diskussion

Ein Teil der vorab gestellten Fragen wurden auf dem Podium zum Thema; stark betont wurde in der von Gesine Kulcke moderierten Diskussion jedoch vor allem die Frage, was die Medienpädagogik in Abgrenzung zu den Fachdidaktiken – hier insbesondere die Informatische Bildung – ausmacht bzw. nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer_innen ausmachen sollte:

Audiomitschnitt

Die Podiumsgäste

Aufs Podium eingeladen war zum einen die Landesgruppensprecherin der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur Baden-Württemberg (GMK), Dr. Ulrike Bischof. Die Forderung einer medienpädagogischen Grundbildung ist ein zentrales Anliegen der Landesgruppe; sie setzt sich dafür ein, dass Medienpädagogik dauerhaft im vorschulischen Bereich, in Schulen und im außerschulischen Bereich verankert wird. Die Landesgruppe hat engen Kontakt zu Einrichtungen, die im Koordinationskreis Medienpädagogik vertreten sind, gibt medienpolitische Stellungnahmen heraus, u.a. zum Stand und zu den Perspektiven der Medienpädagogik in Baden-Württemberg, und artikuliert ihre Positionen im Rahmen der Veranstaltungen zum Kindermedienland Baden-Württemberg oder in Anhörungen des Landtages. Weitere Infos dazu finden Sie hier.

Prof. Dr. Christine Bescherer war als Mitglied der Leitung der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg auf dem Podium vertreten. Sie ist Prorektorin für Forschung, Nachwuchsförderung und IT-Management. Sie hat zahlreiche Forschungsarbeiten im Bereich Mathematikdidaktik und Informations- und Kommunikationstechnologien in der Lehre umgesetzt. Aktuell ist sie auch an dem Projekt dileg-SL – Digitales Lernen in Stuttgart und Ludwigsburg – beteiligt, das als eines von fünf Projekten von der Deutschen Telekom Stiftung im Rahmen des Förderprogramms Digitales Lernen Grundschule von 2016 bis 2018 gefördert wird. In dem Projekt kooperieren die Abteilung Medienpädagogik und die Abteilung Grundschulpädagogik mit verschiedenen Fächer der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (Biologie, Deutsch, Englisch, Informatik, Mathematik, Musik, Sport) und der Rosenstein-Grundschule in Stuttgart. Ausgehend von der Idee, das Grundschülerinnen und Grundschüler im Kontext handlungsorientierter Projekte informatische Grundkompetenzen entwickeln können, gestalten Lehramtsstudierende im Rahmen des Projekts Konzepte für die Nutzung digitaler Medien im Grundschulunterricht.

Mit dabei war zudem Prof. Dr. Sven Kommer. Er ist Professor für Allgemeine Didaktik mit dem Schwerpunkt Technik und Medienbildung an der RWTH Aachen und Geschäftsführer des dortigen Instituts für Erziehungswissenschaft. Er hat u.a. zum medialen Habitus geforscht und arbeitet aktuell an einem Projekt mit dem Titel *Lehrer in der digitalen Welt. Einsatz von Tablet-PCs zur praxisorientierten Umsetzung des innovativen Konzepts Lernen durch Gestalten.* Er ist Mitglied der Sektion Medienpädagogik der Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Zudem gehört Sven Kommer zum Sprecherteam der Initiative Keine Bildung ohne Medien!, die eine systematische und nachhaltige Verankerung von Medienpädagogik in allen Bildungsbereichen der Gesellschaft anstrebt. Mehr dazu finden Sie hier.

Tagungsbericht

Kurt Seifert, Diplompädagoge und freier Publizist, schrieb über das Symposium einen Bericht:
Das neue Reich der Freiheit? Medienkritik im digitalen Zeitalter. In: Wellenbrecher, Nr. 1/2017, S. 2-3